Dienstag, 7. Oktober 2008

Kann es sein?

Neben all dem Klugen, was ich in Analysen über die Lage der Grünen gelesen habe frage ich mich:

Kann es sein, dass die Massen die sich da nach Rechts bewegt haben einfach Menschen sind, die sich als Verlierer in unserer Gesellschaft sehen? Menschen die sich plötzlich in sozialen Verhältnissen wiederfinden in denen sie mit den „Ausländern“, denen sie sich noch vor 15 Jahren wegen ihrer besseren wirtschaftlichen Verhältnisse überlegen fühlen konnten, konkurrieren müssen?

Kann es ein, dass viele Menschen schlicht und einfach Angst haben in die Armut abzurutschen? Kann es sein, dass diese Menschen an den Auswüchsen des Neoliberalismus leiden, und mehr noch, dass ihre Sorgen und Ängste einfach nicht wahrgenommen werden? Kann es sein, dass sie glauben niemand in der Politik würde ihnen Aufmerksamkeit schenken und sie sich irgendjemanden suchen der Schuld an ihre Situation hat? Vorzugsweise „die da oben“ und „die Ausländer“ mit denen sie sich die Sozialleistungen teilen müssen?

Kann es sein, dass diese Ängste bereits den unteren Mittelstand erreicht haben der mehr und mehr unter Druck gerät?

Kann es sein, dass diese Menschen kein Interesse an Hybridautos und Solarstromanlagen haben weil keine Aussicht besteht sich so etwas leisten zu können? Kann es sein, sein, dass staatliche Datenspitzeleien und Feminismus die Menschen nicht interessiert weil sie nicht wissen wie sie diesen Monat mit ihrem Geld auskommen können?

Hat Brecht mit seinem „Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral“ Recht?

Kann es außerdem sein, dass wir Grünen keine Ahnung haben was da abgeht? (Abgesehen von ein paar im Sozialbereich tätigen.)
Kann es sein, dass wir diesen Menschen unsere Grundwerte um die Ohren schlagen, aber den Grundwert der Solidarität vernachlässigen?

Kann es sein, dass wir solange nicht mehr wachsen werden, wie diese Menschen glauben wir würden ihre Sorgen nicht einmal zur Kenntnis nehmen?

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

lauter grundgescheite Fragen, auf die die Grünen bei den letzten Wahlkämpfen meiner Meinung nach
wenig oder nicht eingegangen sind. Die Grünen werden in der Öffentlichkeit vor allem als Asylantenpartei
wahrgenommen, obwohl sie in ihrem Grundsatzprogramm angeblich vorrangig auch für Umweltschutz, soziale
Verteilungs- und Steuergerechtigkeit, etc. eintreten. Nur das kommt medienwirksam nicht rüber.
Da muss man sich die Frage stellen, sind die Grünmandatare dazu nicht fähig oder sind die Medien

einfach Ignoranten. Beides wird wohl gleichermaßen zutreffen. Wenn ich darüber nachdenke

was mir als ORF-Infos aus den Nachrichten der letzten Monate über die Grünen in Erinnerung blieb, war

dass VdB eine Regierungsbeteiligung anstrebt und er Österreich als Einwanderungsland

betrachtet. Von den Grünen kam nichts zur Armut in Österreich, keine Kritik über risikoreiche,
kriminelle Finanztransaktionen (z.B. Cross-Border-Leasing , etc.) und andere Globalisierungsauswüchse.
Es wurden auch keine plausiblen Konzepte der Grünen zur Bekämpfung der Inflation, gegen zunehmende Verarmung
und ungerechter Steuerpolitik öffentlichkeitswirksam bekannt. Asylantenfreundliches Verhalten ist
einfach zu wenig. Natürlich sind die Grünen keine Populisten und reden den Stammtischrunden
nicht aus dem Maul und das ist auch gut so. Aber diese brennenden Probleme medienwirksam
aufzubereiten und im Wahlkampf gebetsmühlenartig anzuleiern, bedeutet noch lange nicht, die
populistische Schiene zu fahren. Und den grünen Wahlkampf mit öffentlichen Auftritten der Grünmandatare
hauptsächlich auf den Großraum Wien und südliches NÖ (z.B. Mödling) zu beschränken war auch nicht gerade
flächendeckend wirksam.

Natürlich ist es erschreckend, dass 43% der Jungwähler ins rechtsextreme
Lager abgedriftet sind. Da aber sehe ich wenig Hoffnung aus diesem Kreis Stimmen zu lukrieren.
Bei denen zählt in erster Linie der Spaßfaktor (Sport, Diskos), äußerliche Attribute und lockere Sprüche.
Solidarität und andere menschliche Grundwerte sind für dieses Wählersegment jenseitige Fremdworte.
In der Bedienung dieses Klientels mit den eben aufgezeigten Faktoren, sind die beiden Gaukler H.C.
und Jörgl unschlagbar und nicht zu überbieten. Auf diesen Zug können und sollen die Grünen auch nicht

aufspringen wollen. Um mit Worten VdB’s zu sprechen, hat meiner Meinung nach die Absenkung des Wahlalters
auf 16 Jahre erheblich zu diesem „GAU“ beigetragen.



Aber ich bin auch schon fast geneigt anzunehmen, dass mehr als 50 % der Österreicher
als lern- und erfahrungsresistent anzusehen sind, die sich italienisches Wahlverhalten als Vorbild genommen haben.

Und ich muss leider Thomas Bernhard uneingeschränkt beipflichten, der in seiner „Auslöschung“ folgendes schreibt:

„Wenn ich ehrlich bin, gefallen mir diese aufgeschwemmten rosigen Bauerngesichter nicht,

in welchen die Dummheit sozusagen eingedickt ist.“ Und weiter: „ Der Nationalsozialismus ist das größte
österreichische Übel neben dem Katholizismus, wie es der Faschismus in Italien ist, neben dem
Katholizismus“. Das schrieb er vor über 20 Jahren. Wie recht er doch damit bis heute hat und dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

Einem Großteil der österreichischen Kinder und Jugendlichen wurde offensichtlich das Klerikalfaschismus-Gen 1:1 weitervererbt.